Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Mohamad, aus einem sog. Krisengebiet:
Schon wieder hat er eine schlaflose Nacht hinter sich. Mohamad, so wird er gerufen, lassen die Erlebnisse aus seiner Heimat nicht los. Sobald er die Augen zumacht, kommen die Bilder: Tote. Überall nur Tote. Familienangehörige sind darunter, Freunde und Nachbarn.
Er selbst ist ein Folteropfer. Am ganzen Körper hat er Narben. Soldaten haben Zigaretten auf seinem Körper ausgedrückt und ihn geschlagen.

Einmal hat er einen Flashback in der Küche, nach dem Mittagessen. Er liegt auf dem Boden und sagt immer wieder in seiner Muttersprache: “Bitte tut meiner Mutter nichts“. Ein Mitarbeiter versucht ihn zu beruhigen und redet auf ihn ein, aber Mohamad ist in diesem Moment im Krieg und nicht in der Bergmannstrasse 18 in Dortmund. Er kommt in eine Klinik. Der Aufenthalt dort tut ihm gut, aber zunächst sagt er, er brauche keine Therapie, er sei doch nicht verrückt. Das Trauma anzunehmen und als eine Reaktion auf das Erlebte zu verstehen, fällt ihm, wie vielen unserer Jugendlichen schwer. Es ist ein langer und mühsamer Weg hin zur richtigen Hilfe, zur Therapie.

Aber Mohamad hat es geschafft. Als er zudem als Flüchtling anerkannt wird, fühlt er sich wie neu geboren. Für einen Moment kann er alles vergessen und einfach nur glücklich sein. Endlich, so hofft er, hat er die Möglichkeit, in Frieden und ohne Angst zu leben. Um eine kontinuierliche Betreuung und Stabilisierung der Jugendlichen sicher zu stellen, schließt sich in der Regel an die Mobile Betreuung eine Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung an.

Werden die Jugendlichen 18 Jahre alt, „droht“ ihnen das Ende der Unterstützung und Begleitung. Im Rahmen der INSPE werden Jugendliche betreut, die bereits den Schritt aus dem Wohnheim in die Mobile Betreuung vollzogen haben und nun Stabilisierung für ein noch selbständigeres Leben benötigen. Ganz ohne Betreuung kommen diese sehr belasteten Jugendlichen/jungen Erwachsenen nicht aus. Aus diesem Grund werden sie bei allen Belangen des täglichen Lebens aber insbesondere bei der Bewältigung ihrer spezifischen Situation als Flüchtling in einem fremden Land begleitet und ihnen die Wege zu weiterführender Hilfe geebnet.

Jugendliche, die in der INSPE angekommen sind, bedürfen der besonderen individuellen Unterstützung auf dem Weg in die Selbständigkeit. Gesprächstermine mit den Bezugspersonen, Begleitung zu Ämtern und Behörden sowie Unterstützung in der weiteren schulischen und beruflichen Orientierung sind die wesentlichen Inhalte der Betreuung der jungen Erwachsenen.

Besonderes Augenmerk liegt in der Begleitung und Unterstützung der jungen Menschen in Hinblick auf die Bewältigung ihrer Lebenssituation. Auf Grund der massiven Traumatisierungen der Jugendlichen durch bedrohliche Situationen und Erfahrungen im Herkunftsland, auf der Flucht und als junger Mensch ohne Familie benötigen sie intensive Begleitung und Unterstützung. Die eingeleiteten vertrauensbildenden Prozesse im Rahmen der stationären Begleitung sollen im Rahmen der INSPE fortgesetzt werden.

Gesetzliche Grundlage
§§ 35, 36, 41 SGB VIII