Wohngruppen

Maria aus Zentral Afrika, einem Land in bitterer Armut:

Nennen wir sie Maria. Sie ist 16 Jahre alt. Ein Bild in der Hand und das wenige, das ihr gehört, in einem Rucksack. So kommt sie in unserer Einrichtung an.

Was sie auf ihrem langen Weg von Zentral Afrika bis in das Zimmer, das sie hier bezogen hat, erlebt hat, ist unklar. Sie braucht einige Tage, um sich an die für sie völlig fremde Umgebung zu gewöhnen. Aber da sind eine Entschlossenheit und eine Kraft in dem Mädchen, die davon zeugen, dass in ihr etwas lebendig ist, das so schnell nicht klein zu kriegen ist. Mit jedem Tag wird Maria zugänglicher und beginnt langsam über ihre Geschichte und ihr Anliegen zu sprechen. Als Maria ein kleines Mädchen ist, ist ihr Vater gezwungen, das Land zu verlassen. Die Mutter von Maria, ihr kleiner Bruder und sie bleiben zurück. Als die Mutter stirbt, kümmern sich die Großeltern um die beiden Kinder. Sie lassen nicht zu, dass der Vater Kontakt zu seinen Kindern aufnimmt und erzählen den Kindern nichts von ihm und nicht wo er jetzt ist. Maria hat nur ein Bild von ihrem Vater, das sie heute in den Händen hält. Sie hofft, ihn in dem fernen Land zu finden, das Deutschland heißt. Woher sie weiß, dass er in Deutschland ist? Sie weiß es, und das ist wichtig. Daraus schöpft sie Hoffnung.

Noch immer spricht sie nicht über ihre Erlebnisse auf ihrer langen „Reise“ nach Deutschland. Getragen von der Hoffnung, aber auch der inneren Gewissheit, dass sie ihren Vater am Ende finden wird, lernt sie gemeinsam mit den anderen Jugendlichen, die ebenfalls im Haus Bergmannstraße angekommen sind, Deutsch. Sie findet schnell Anschluss und lebt sich gut ein, aber immer noch hält sie ihr Bild fest in den Händen. Sie will ihren Vater finden. Die Mitarbeiter/innen helfen ihr, die für diese Frage zuständigen Organisationen und Institutionen aufzusuchen und ihr Anliegen vorzubringen. Sie ist bei der Ausländerbehörde gemeldet, ihr Aufenthaltsstatus wird geprüft. Das Jugendamt steht ihr hilfreich bei formalen Fragen zur Seite. Und dann passiert das schier unfassbare: Ihr Vater meldet sich. Durch ihr Bild hat sie ihn gefunden.

Sie treffen sich und fallen sich in die Arme. Bis sie nun zu ihrem Vater und seiner jetzigen Familie ziehen darf, vergeht noch einige Zeit. Diese Zeit nutzen Maria, ihr Vater und die Familie des Vaters, um sich kennen zu lernen. Das Jungendamt nutzt diese Zeit, um die Vaterschaft zu klären und um sicher zu sein, dass Maria in der neuen Umgebung auch wirklich gut aufgehoben ist. Solche und ähnliche Schicksale mit weniger gutem Ausgang haben die Jugendlichen erlitten, die in unsere Einrichtung „Haus Bergmannstraße“ einziehen. In unseren Wohngruppen geben wir den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren ein neues Zuhause. Wir bieten ihnen ein schützendes Umfeld, in dem sie sich nach langer Zeit erstmals wieder sicher fühlen können. Gemeinsam mit den Jugendlichen gestalten wir den Alltag, helfen beim Erlernen der deutschen Sprache, unterstützen bei allen schulischen Belangen und Begleiten sie bei den notwendigen Ämtergängen. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin wird von seiner/m Bezugsbetreuer/in ganz individuell unter Berücksichtigung der traumatischen Erfahrungen mit allem Notwendigen versorgt. Sie werden aufgefangen, entlastet und getröstet. Die Entwicklung von Perspektiven spielt eine besonders große Rolle und ist bei der Arbeit mit den Jugendlichen, unabhängig von ihrem Bleibestatus, sehr wichtig.

Den Jugendlichen stehen im Haus zwei Wohngruppen und zwei Appartements zur Verfügung. In der Gruppe I werden alle Jugendlichen aufgenommen, willkommen geheißen und erfahren das erste Mal, dass ihnen zugehört wird und sie nicht als Störende abgelehnt werden. Die Jugendlichen, die älter als 16,5 Jahre alt sind und/oder schon verselbständigt werden wollen oder können, wechseln in die Gruppe II.

Die Appartements stehen unter anderem zur Verfügung für:

  • werdende oder junge Mütter
  • Jugendliche, die auf dem Weg in die eigenen Wohnung sind
  • Mädchen, als sicherem Rückzugsraum
  • Jugendliche, die Nähe zu anderen nur sehr schwer aushalten können.

Unsere Angebote

Unsere Unterstützung

  • Nachhilfeunterricht und Sprachförderung
  • Arbeitsvorbereitungsmaßnahmen
  • Praktikumsvermittlung
  • Freizeitangebote
  • Integration in die Nachbarschaft durch Beteiligung an Stadteilfesten, Nachbarschaftsaktionen, etc.
  • Kulturangebote
  • Sprachvielfalt im Team
  • Kontinuierliche Teilnahme an der Nordstadtliga
  • Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse durch Vermittlung an externe Therapeuten
  • Unterstützung bei der Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit
  • Erlernen der deutschen Sprache und der Entwicklung einer schulischen und beruflichen Perspektive
  • Regelung der Aufenthaltsformalitäten / Klärung des Aufenthaltsstatus
  • Sicherstellung der medizinischen Versorgung
  • Aufbau von Kontakten zu Gleichaltrigen und Landsleuten
  • Entwicklung einer individuellen Lebensplanung / Selbstständigkeit
  • Freizeitgestaltung
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen wie Kommunikation, Konfliktlösung, Beziehungsgestaltung

Gesetzliche Grundlage
§§ 34, 36, 41 SGB VIII